Blutegeltherapie in der Tiermedizin

Alternative Heilmethoden haben längst auch in der Tiermedizin Einzug gehalten. Die Blutegeltherapie gehört in der Humanmedizin zu den ältesten Heilmethoden der medizinischen Geschichte und wird mit anerkanntem Erfolg eingesetzt.

Im 19. Jahrhundert waren die Blutegel durch massiven Einsatz in Mitteleuropa fast ausgerottet. Mit Entdeckung der Bakterien als Krankheitserreger wurde der Egel, da man ihn nicht desinfizieren konnte, kaum noch eingesetzt und geriet in Vergessenheit. Anfang des 20. Jahrhundert wurde im Speichel des Egels ein Wirkstoff isoliert, der erfolgreich bei der Therapie von Thrombosen und Embolien eingesetzt wurde.

Ende der 70. er Jahre rückte der Blutegel wieder in internationales medizinisches Interesse. Weil mehrere Studien, aus den naturheilkundlichen Bereichen, verschiedener Kliniken seine Bedeutung in der Therapie von Arthrosen hervorhoben. Seit einiger Zeit wird diese Heilmethode auch in der Tiermedizin angewendet. Das Behandlungsspektrum ist breit gefächert. Ein Haupteinsatzgebiet ist die Behandlung des Bewegungsapparats, besonders bei schmerzhaften Entzündungen und chronischen Erkrankungen.

So findet der Blutegel seinen Einsatz bei der Therapie von Arthrosen, Erkrankungen der Wirbelsäule, der Bänder und Sehnen, Nervenreizungen und auch bei Hüft- und Ellbogendysplasie. Aber auch bei Ekzemen, Wundheilungsstörungen und Hufrehe hat sich die Blutegeltherapie bewährt. Die Behandlung ist für die Tiere schmerzfrei, und die meisten liegen völlig entspannt auf ihrer Decke oder schlafen während der ca 60 min. Dauer ein. Der Egel gibt seine medizinisch wirksamen Substanzen während des Saugvorganges in das Gewebe des Tieres ein. Im Speichel des Egels finden sich u.a. schmerz- und entzündungshemmende Stoffe, sowie Gerinnungshemmer.

Aufgrund eines Enzyms können sie in das Gewebe des Wirtstieres eindringen. Nach Abfallen des Blutegels blutet die Wunde noch einige Stunden nach. Dadurch wird der Bereich der Saugstelle besonders gut durchblutet und der Stoffwechsel angeregt. Mit modernen Analyseverfahren war es möglich viele Substanzen im Speichel des Egels zu identifizieren.

Wichtige Stoffe sind:

Hirudin: lokal entzündungs und gerinnungshemmend,

Calin: gerinnungshemmend,

Bdellin: enzymhemmend,

Eglin: entzündungshemmend,

Hyaluronidase: gefäßerweiternd,

Destabilase: auflösen v. Blutgerinnseln

Aber noch nicht alle medizinisch wirksamen Substanzen konnten isoliert werden.

Der medizinische Blutegel wird heute in speziellen Aufzuchtsfarmen gezüchtet und ist sogar als Arzneimittel eingestuft . Dadurch wird ein hoher und gleichbleibender Qualitätsstandart gewährleistet.